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Gustav Mahler – Des Knaben Wunderhorn

12.03.2011  | von Thomas Schulz
 
Mahlers „Wunderhorn‟-Lieder in einer orchestral entschlackten, äußerst transparenten Version – von Thomas Hampson mit dem von ihm bekannten Stilgefühl und, nicht zuletzt, mit Herzblut interpretiert.

Gustav Mahler Des Knaben Wunderhorn – Gesänge für eine Singstimme und Orchesterbegleitung
Auf den ersten Blick mag man sich wundern: Schon wieder die „Wunderhorn-Lieder‟ mit Thomas Hampson? Schließlich hat der amerikanische Bariton diese Gesänge schon mehrmals eingespielt – sowohl in der Fassung mit Klavierbegleitung (mit Geoffrey Parsons für das mittlerweile verflossene Teldec-Label) als auch in der Orchesterversion (zum Beispiel unter Leonard Bernstein für DG). Aber die vorliegende, von der „Hampsong Foundation‟ produzierte Veröffentlichung hat etwas Neues zu bieten: Es war Ziel des Sängers und der ihn begleitenden Wiener Virtuosen, Mahlers ursprünglichen und von ihm ausdrücklich intendierten kammermusikalischen Charakter der Orchestrationen wieder herzustellen. Das bedeutet nun nicht, dass es sich um eine im Notentext veränderte „heruntergerechnete‟ Version handelt – vergleichbar etwa mit den Kammerfasssungen, die Schönbergs „Verein für musikalische Privataufführungen‟ von sinfonischen Werken herstellte. Nein: Wenn das Beiheft richtig zu verstehen ist, wurde lediglich der Streicherkörper in Richtung einer solistischen Besetzung reduziert.

Und dieses Konzept wirkt Wunder: Selten haben die Partituren durchsichtiger geklungen, gleichzeitig jedoch extremer und „moderner‟ in ihrer Kombination von grellen Bläserakzenten, differenzierten Schlagzeugklängen und teils fahlen, teils innig nostalgischen Farbnuancen der Streicher. Die beiden zuletzt komponierten „Wunderhorn‟-Gesänge, „Revelge‟ und „Der Tamboursg'sell‟, mögen als Beispiel dienen. Den spezifisch österreichisch-kakanischen Tonfall, wie er vor allem die volkstümlich heiteren Lieder prägt („Rheinlegendchen‟, „Verlorne Müh'!‟), treffen die allesamt aus den Wiener Philharmonikern rekrutierten Ensemblemitglieder punktgenau, lasziv, doch ohne Schmäh.

Wer eine dialogische, auf Frauen- und Männerstimme verteilte Interpretation der Lieder gewohnt ist, muss hier umdenken. Mahler hat eine solche auch nicht gewollt. So nimmt Hampson alle Rollen ein – Mann und Frau, Erzähler und erlebendes beziehungsweise leidendes Subjekt. Dies gelingt ihm auf bewunderungswürdige Weise; seine Charakterisierungskunst ist nach wie vor auf höchster Stufe angesiedelt, wobei er sich, im Vergleich zu manchen früheren seiner Liedeinspielungen, dankenswerterweise sehr zurückhält, was Manierismen diverser Coleur angeht. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass solche bislang fast ausschließlich weiblich konnotierten Gesänge wie das „Urlicht2 und das „Himmlische Leben‟ hier von einem Mann gesungen werden, kommt man nicht umhin festzustellen, dass hier eine der gedankentiefsten Interpretationen der „Wunderhorn‟-Lieder vorliegt, die zudem – und daran wirkt auch die vorbildliche Tontechnik mit! – Mahlers Gebot der „Deutlichkeit‟ aufs Vorbildlichste und Schönste befolgt.

Interpretation 95%
Repertoirewert 80%

Gustav Mahler Des Knaben Wunderhorn
Gesänge für eine Singstimme und Orchesterbegleitung
Thomas Hampson (Bariton)
Wiener Virtuosen
Aufgenommen 03 & 07 / 2010
Deutsche Grammophon CD 477 9289
TT: 67'

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