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Béla Bartók

04.01.2011  | von Mátyás Kiss
 
Diese SACD kommt ohne eines der berühmten Hauptwerke des großen Ungarn aus, macht dafür aber in unübertrefflich hoher Wiedergabequalität auf einige Nebenzweige seines Schaffens aufmerksam.

Bartok-korr
Béla Bartók – Suite für großes Orchester Nr. 1 op. 3, Zwei Bilder op. 10, Tänze aus Siebenbürgen für Orchester, Ungarische Bauernlieder für Orchester
Mit seiner ersten Orchestersuite (op. 3) schuf der aufstrebende junge Komponist eine seiner umfänglichsten Partituren: Selbst in der von Bartók eigenhändig gerafften Fassung dauert die fünfsätzige Suite, die die berühmte Bartóksche Brückenform inauguriert, noch 35 Minuten. Da nur das Scherzo aus einer Studiensymphonie zur Aufführungsreife gedieh, könnte man die beiden frühen Suiten (op. 4 begann er kurz darauf) als Bartóks persönliche Stellungnahme zur Gattung der Symphonie interpretieren: Sie stehen unverkennbar unter dem Einfluss der symphonischen Dichtungen Liszts und Strauss‘, verzichten aber auf das narrative Element und verstehen sich dadurch als absolute Musik. Natürlich werfen die großen Vorbilder noch lange Schatten; einen eigenen Ton bringen erst die magyarischen Elemente hinein, die der glühende Patriot immer wieder einflicht. Man hört förmlich, wie viel Spaß es dem 24-jährigen Komponisten bereitet, auf der großen Orgel des spätromantischen Orchesters zu spielen. Langeweile kommt an keiner Stelle auf, schon gar nicht, wenn sich die prächtig disponierte ungarische Nationalphilharmonie dieser wenig bekannten Musik annimmt.

Sein wahres Gestaltungsvermögen als Dirigent kann der Bartók-Experte Zoltán Kocsis – schon als Pianist innerhalb seiner Generation dessen größter Interpret – erst in den späteren Werken ausspielen, in denen sein früher Personalstil voll ausgebildet erscheint: Die „Zwei Bilder“ op. 10 stehen ganz unter dem Einfluss der Pentatonik, die bei Claude Debussy und in der von Bartók eifrig gesammelten Bauernmusik gleichermaßen eine zentrale Rolle spielt. Seine späteren Bühnenwerke „Herzog Blaubarts Burg“ und „Der holzgeschnitzte Prinz“ bilden weit bekanntere Zeugnisse dieser durch ihre geheimnisvollen Klangfarben faszinierenden Phase.

Einem Wunsch seines Verlegers Universal Edition folgend, hat Bartók in den frühen dreißiger Jahren von einer Reihe zwanzig Jahre früher niedergeschriebener, durch zahlreiche Vortragsabende populär gewordener Klavierwerke Orchestrierungen angefertigt; dass dabei höchst effektvolle showpieces entstanden, steht außer Zweifel. Die auf der Sonatine von 1915 basierenden drei Transsylvanischen bezihungsweise Siebenbürgischen Tänze (Spieldauer: 4 Minuten) etwa drängen sich als Zugabe für ein auswärts gastierendes ungarisches Orchester geradezu auf.

Interpretation 95%
Repertoirewert 100%

Béla Bartók
Suite für großes Orchester Nr. 1 op. 3
Zwei Bilder op. 10
Tänze aus Siebenbürgen für Orchester
Ungarische Bauernlieder für Orchester (Bartók New Series Vol. 5)
Ungarische Nationalphilharmonie, Ltg.: Zoltán Kocsis
Hungaroton HSACD 32505 (Vertrieb: Klassik Center Kassel)
TT: 64‘24

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