Je purer, desto besser. Immer wenn sie sich dem Produzenten-Schmäh Nashvilles entzogen hat, erreichte Shelby Lynne den Gipfel ihrer Kunst, aus Liebesverrat, Abschiedschmerz und Melancholie Songs von erstaunlicher Intensität zu formen. Dass die alten Wunden noch offen sind, zeigt der Titel ihres Albums: Tears, Lies & Alibis.
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| Shelby Lynne – Tears, Lies & Alibis |
Man fragt sich, warum diese Sängerin nicht den Erfolg hat, den sie seit Jahren verdient hätte. Sicher, einen Grammy erhielt sie 2001 für I Am Shelby Lynne. Ironischerweise jedoch in der Kategorie Beste Nachwuchskünstlerin. Da hatte sie bereits fünf Alben veröffentlicht, war schon dreizehn Jahre im Geschäft. Vielleicht war es so etwas wie ein Versöhnungsangebot nach all der Zeit der Missachtung. Aber das ging an die falsche Adresse, denn Shelby Lynne taugt nicht für Versöhnlichkeiten. Eigensinnig ist sie – und Kompromisse hatte sie in ihren Anfängen genügend gemacht. Erfolg? „Das bedeutet für mich, eine Platte herausbringen zu können, die ich anhören kann, ohne dass mir schlecht wird“, sagte sie dazu in einem Interview. Um nur die eigenen Vorstellungen zu verwirklichen, braucht man eine Plattenfirma. Eine eigene. Und die hat Lynne nun gegründet, um ihr Album Tears, Lies & Alibis zu veröffentlichen – und es ist eines ihrer besten. So schlüssig verbindet sonst kaum eine Musikerin Country, Folk und Soul, taucht so tief in die Abgründe der Melancholie, um sich sogleich wieder in die klaren Höhen des Glücksgefühls aufzuschwingen – und sei es in das Glück an der dunklen Seite der Seele, die sich am Regen ergötzt. „Rains Came“ erzählt mit einer hintersinnigen Beschwingtheit vom Katergefühl des Erwachens nach einer vergessensvollen Nacht. Text und Musik liegen in offenem Widerstreit – und das ist bezeichnend für Lynnes Songs, die so leicht und zugleich so abgründig sein können. Wehmutssüchtige Abschiedsworte, gnadenlose Abrechnungen, ein Aufreißen alter Wunden: Shelby Lynnes Pandämonium des Seelenschmerzes ist mit einer kühlen Klarheit gestaltet, neben der jedes Nashville-Produkt nur mehr wie eine überzuckerte Ansammlung von Klischees erscheint. Hier aber dringt jemand mit Nachdruck und musikalischer Klarheit zur Wahrheit der Seelenpein vor.
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1 Rains Came 2:25 2 Why Didn't You Call Me 1:37 3 Like A Fool 3:55 4 Alibi 4:21 5 Something To Be Said 3:52 6 Family Tree 3:42 7 Loser Dreamer 4:49 8 Old #7 3:31 9 Old Dog 5:26 10 Home Sweet Home 3:32 |
| (Everso Records EVER150) |
| Gesamtspielzeit: 37:33 |
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