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Pristine Audio download thirty-one: Schnabel Beethoven Sonatas Volume 4

15.07.2011  | von Reinhold Martin
 
Es gibt Aufnahmen, die unabhängig ihres Alters in jede Diskographie von klassischer Musik Begeisterten gehören. Die in den 30ern über mehrere Jahre von Artur Schnabel zum ersten Mal in der Geschichte der Tonaufzeichnung komplett eingespielten Beethoven-Sonaten gehören ohne jeden Zweifel dazu.

Pristine Audio download thirty-one: Schnabel Beethoven Sonatas Volume 4
Dass der Schnabelsche Beethoven trotzdem in die eine oder andere Diskographie nicht Eingang gefunden hat, könnte allenfalls in der Tatsache begründet sein, dass diese Produktion aus der Schellack-Zeit stammt, als die Aufnahmetechnik vermeintlich recht weit entfernt vom heutigen Niveau gewesen war. „Vermeintlich“ deshalb, weil man sich bis vor kurzem nur schwer vorstellen konnte, was die Schellack-Platten potentiell an, wenn auch zugegeben verschütteter Klangqualität enthalten, da es seit der Erstausgabe, die im Abonnement vertriebenen und von Schnabel-Fans von Ausgabe zu Ausgabe sehnsüchtig erwartet wurde, einschließlich späterer Inkarnationen auf LP und CD doch stets arg historisch und damit für viele Nachgeborene nicht akzeptabel aus der Rille bzw. den Pits und Lands getönt hat. Nur mit viel Fantasie konnte man aus dem Gehörten erkennen, dass Schnabel einen ausgewachsenen Konzertflügel und gar einen seiner geliebten Bösendorfer unter seinen riesengroßen Händen hatte. Das alles hat sich mit der aktuellen, von Woche zu Woche wachsenden Neu-Edition von Pristine Audio nicht zuletzt dank allerneuester digitaler Tonbearbeitungstechnik aus Deutschland radikal geändert, die es zum ersten Mal erlaubt, auf Tonträgern enthaltene Tonhöhenschwankungen aufgrund mangelnden Gleichlaufs der Aufnahmemaschinen komplett weg zu rechnen. Diese Neuerung stammt von Celemony und wurde vor dem offiziellem Launch von Pristine Audios Andrew Rose und Clemonys Mathis Nitschke in der Praxis getestet, nämlich anhand der Schellack-Vorlagen des Schnabelschen Beethovens, von dem bereits die ersten Pristine-Veröffentlichungen erschienen waren. Letztlich war Andrew von diesem Tool so begeistert, dass er sich auch die bereits erschienenen Schnabel-Sonaten zur Nachbearbeitung vornahm und diese allen kostenlos zur Verfügung stellte, die sich bereits mit Volume 1 und 2 eingedeckt hatten. Der zeitgemäße, stabile und brillante Flügelklang, den Andrew aus dem unzeitgemäßen, blechernen und in der Intonation schwankenden Klavierklang der Schellack-Platten gezaubert hat und weiterhin zaubern wird, bis alle Sonaten „im Kasten“ sind, basiert allerdings, wie stets bei Pristine Audio, auf dem meisterlich eingesetzten XR-Remastering-Prozess, für den die Behandlung der Quellen-Schellack-Platten mit dem Tool zur Beseitigung von auf Gleichlaufschwankungen basierten Tonhöhenschwankungen jedoch mehr als das Sahnehäubchen darstellt, zumal der XR-Prozess von korrekt gehaltenen Tonhöhen profitiert.

Jedenfalls ist das klangliche Ergebnis des Remasterings allererste Sahne, beamt es doch gewissermaßen Artur Schnabel zusammen mit seinem Bösendorfer zumindest akustisch in unsere modernen Zeiten. Eine Ergänzung der klassischen Diskothek mit den Pristine-Versionen Schnabelscher Klavierkunst, sollte dies dort noch nicht angekommen sein, ist also angesagt, und selbst die Besitzer älterer Wiederauflagen dieses Schatzes auf der Schellack-Zeit dürften der klanglichen Potenz dieser Wiederauflage wegen in starke Versuchung gebracht werden, sich diese interpretatorische Großtat eines unserer größten Pianisten noch einmal, diesmal wohl endgültig, weil bisherigen Inkarnationen klanglich meilenweit überlegen, ins Haus zu holen.

Andrew Rose hat folgenden Kommentar zum Remastering:

Die dritte Ausgabe (Volume 3) dieser Reihe markierte den ersten kommerziellen Einsatz einer neuen Software, die dazu dient, bei mechanisch erstellten Aufnahmen Tonhöhenschwankungen aufgrund von Gleichlaufschwankungen zu beseitigen. Die Einsetzbarkeit dieses Tools resultiert aus einer Zusammenarbeit zwischen Mathis Nitschke von Celemony in Deutschland und mir, wobei die Restauration der Beethoven-Sonaten schon begonnen hatte, als das Tool soweit war, von Mathis zum ersten Mal eingesetzt werden zu können, was dann auch eine kurze Verzögerung in der Erscheinungsweise der Sonaten zur Folge hatte. Daraufhin machte ich mich an das „Ausbügeln“ der  bereits erschienen ersten und zweiten Ausgabe auf Grundlage der bereits erstellten Master.

Die jetzt vorliegende vierte Ausgabe markiert hingegen die erste, bei der der neue Tonhöhen-Stabilisierungsprozess erstmals dazu eingesetzt wurde, wofür er wohl zu Recht bestimmt ist: zu Beginn des Remasterings. Theoretisch sollte sich das in einem exakteren XR-Neuabgleich niederschlagen als ohne diesen Prozess, wobei ich stark bezweifle, dass die erzielte Verbesserung so ohne weiteres hörbar ist. Wovon die vierte Ausgabe jedoch im Vergleich zur dritten Ausgabe ebenfalls profitiert hat, ist die durchgehend bessere Qualität der Quelle, und genau das, eher als der präzise Einsatzpunkt des „Kapstan“-Tools, ist verantwortlich für die hier und jetzt hörbaren Ergebnisse.

Von den drei Sonaten dieser Ausgabe hat mir die zuletzt aufgenommene, die Nr. 12, wegen der größeren Oberflächenverkratzung die größten Probleme verursacht. Im Verlauf des Remasterings hat sich jedoch erwiesen, dass alle drei Sonaten gut gelungen sind und eine Ausgabe zustande gekommen ist, die mich zufrieden stellt und ganz besonders stolz macht.

Pristine Audio download thirty-one: Schnabel Beethoven Sonatas Volume 4
BEETHOVEN Klaviersonate Nr. 11 in B-Dur, Op. 22
Aufnahmedatum 12. April 1933, Erstveröffentlichung HMV DB 2211-13
BEETHOVEN Klaviersonate Nr. 12 in As-Dur, Op. 26 "Trauermarsch"
Aufnahmedatum 25. April 1934, Erstveröffentlichung HMV DB 2850-52
BEETHOVEN Klaviersonate Nr. 13 in Es-Dur, Op. 27, No. 1 "Quasi una fantasia"
Aufnahmedatum 1. November 1932, Erstveröffentlichung HMV DB 1820-21
Artur Schnabel Klavier
TT: 61'57
PAKM 040
Download 16 und 24 Bit FLAC und als CD




BEETHOVEN
Klaviersonate Nr. 11
1.Satz (Allegro con brio)
ca. 24,25 mb (flac)

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