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Pristine Audio download twenty-nine: Julian Sitkovetsky spielt Sibelius und Paganini

03.06.2011  | von Reinhold Martin
 
Der 1958 im Alter von 33 Jahren an einem Krebsleiden verstorbene Russe Julian Sitkovetsky, eine der großen Geigerpersönlichkeiten eines Landes, das an Virtuosen nicht nur dieses Instruments wahrlich nicht arm war und ist, hinterließ nur wenige Plattenaufnahmen. Die allerdings sind zum großen Teil nicht zuletzt als Downloads verfügbar, was dafür spricht, dass die Kunst dieses Geigers die Musikwelt immer noch berührt.

Pristine Audio download twenty-nine: Julian Sitkovetsky spielt Sibelius und Paganini
Zusammen mit Svjatislav Richter, Klavier, und Mstislav Rostropowitsch, Cello, ging Julian Sitkovetsky, der mit dem Geigenspiel im zarten Alter von vier Jahren begann, 1945 als Gewinner aus dem Sowjetischen Allunionswettbewerb für junge Künstler hervor. Bis dahin hatte der in Kiew aufgewachsene Jungstar bereits die typischen Höhepunkte des geigenden Wunderkinds hinter sich gebracht, einschließlich dem Vorspielen bei einem der großen Künstler seiner Zeit – Jacques Thibaut –  mit acht Jahren und ein Jahr später den ersten öffentlichen Auftritt mit Mendelssohns Konzert in Kiew, gefolgt von einer akademischen Ausbildung in der berühmten zentralen Moskauer Musikschule in der Violinklasse von Abram Yampolsky, der unter vielen anderen auch Leonid Kogan unterrichtete. 1947 erspielte Julian Sitkovetsky sich den ersten Preis in Prag, und danach in den 50-er Jahren noch einige zweite Preise, unter anderem in Belgien beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb, wobei gemunkelt wurde, dass der jeweils zweite Platz keine künstlerische, sondern eine politische Entscheidung war: Auch russische Künstler hatten es zu Zeiten des kalten Krieges nicht immer leicht. 1950 heiratete Julian Sitkovetsky die Pianistin Bella Davidowitsch, die später im Westen ebenso Karriere machte wie der 1952 geborene Sohn Dmitry Sitkovetsky, ein ganz hervorragender Geiger, der heute auch als Dirigent tätig ist. 

Julian Sitkovetsky, von dem David Oistrach sagte, er hätte ihn und Kogan in den Schatten gestellt, hätte er nur länger gelebt, vereinigte in seinem Geigenspiel mit technischer Brillianz und enormer Klangfülle einige der besten Qualitäten der russischen Schule. Hinzu kam ein individuelles Rubato und mit David Oistrachs Worten „ein voller, stabiler, fokussierter Ton in sämtlichen Registern, eine lupenreine Intonation, ein schnelles gleichmäßiges Trillern, ein perfekt kontrolliertes Stakkato, kräftige, makellose Obertöne, und ein gleichmäßiges, klares Sautillé“. Die von Pristine Classic vorgelegten Konzerte von Sibelius und Paganini legen ein beredtes Zeugnis ab von dieser Charakterisierung und Wertschätzung eines David Oistrach, der seinerseits das Sibelius-Konzert in epochemachenden Aufnahmen hinterlassen hat, denen die Aufnahme Sitkovetskys mit einem eleganteren, weniger düsteren Ansatz nicht nachsteht, sondern vielmehr eine gleichwertige Alternative darstellt, wie unser Download des dritten Satzes eindrücklich unter Beweis stellt. Vergleichbar meisterhaft gelingt Sitkovetsky das Paganini-Konzert, dem man als angemessene Partner auch hier die Tschechischen Philharmonkier gewünscht hätte, mit denen der Geiger auf der von Andre Rose wie stets genial remasterten Sibeliusaufnahme musiziert.
 

Zu seinen Remastering hat Andrew Rose folgenden Kommentar verfasst:

Die Aufnahme des Sibeliuskonzerts mit Julian Sitkovetsky erreichte mich als Bestandteil einer Sammlung von Schallplatten, die von Dr. John Duffy im Rahmen des Pristine Classical Audio Streaming Angebots digitaliert worden sind, zusammen mit einer weiteren Aufnahme des Geigers mit den Tschechischen Philharmonikern unter Anossov. Der Name Sitkovetsky erinnerte mich daran, dass ich vor einigen Jahren eine Aufnahme veröffentlichen konnte, die sein Sohn Dmitry Sitkovetsky, ebenfalls ein weltweit bekannter Geiger, anlässlich eines Live-Konzerts mitschnitt, und als ich die Aufnahme hörte, nahm ich mir vor, mehr über diesen Geiger in Erfahrung zu bringen.

Leider existieren nur wenige Aufnahmen mit Julian Sitkovetsky, und einige von diesen, die erhalten geblieben sind, zeichnen sich durch eine mäßige technische Qualität aus. Zum Glück stellte sich heraus, dass die beiden vorliegend präsentierten Konzertaufnahmen ausreichend gut aufgenommen und erhalten geblieben waren, um das Potential eines 32-Bit XR Remastering voll nutzen zu können. Ungeachtet von dem einen oder anderen Oberflächengeräusch auf den Exemplaren der Supraphon-Platten von Dr. Duffy , das ich erfolgreich bekämpfen konnte, und abgesehen vom nicht immer edlen Klang des Moskauer Jugendradiosinfonieorchesters,  kommt Sitkovetskys Geigenspiel, das stets Anlass zur Freude gibt, in diesen Aufnahmen gut zur Geltung.

Interpretation 100%
Editorischer Wert 100%

Pristine Classical Download twenty-nine: Julian Sitkovetsky spielt Sibelius und Paganini
SIBELIUS Violinkonzert d-moll, Op. 47
Aufnahmedatum 1953, Prag
Tschechische Philharmonie
Dirigent Nikolai Anossov
PAGANINI Violinkoncerto Nr. 2b-moll, Op. 7
Aufnahmedatum 1955, Moskau
Moskauer Jugendradiosinfonieorchester
Dirigent Mark Pavelman
Julian Sitkovetsky violin
TT: 58'34
PASC290
Download 16 und 24 Bit FLAC und als CD




Sibelius Violinkonzert
3. Satz
ca. 33,6 mb (flac)

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